Schlupflöcher für Deutsche Start-Ups

Die richtige Wahl der Rechtsformen für  Start-Ups  in Deutschland ist ein wichtiger Faktor, wenn es um Gewinne, Steuern und Haftbarkeit der Gründer geht.

Je nach Größe und zur Verfügung stehendem Start-Kapital fällt die Wahl meist zu Beginn auf den Einzelunternehmer, die GbR oder die GmbH.

Eine Übersicht gibt es hier:

Gesellschaftsform Übersicht

Im Rahmen des Gesellschafts- und Steuerrechts-Kurses in den letzten Semestern bin ich auf einige interessante Informationen gestoßen, die jede Firma, aber ganz besonders Start-Ups nutzen können, um sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Seit dem Jahr 2007 sind GmbH und GmbH und Co. Kg dazu verpflichtet ihre Kennzahlen im Bundesanzeiger zu veröffentlichen.

Gerade einige Zeit nach der Gründung, wenn das Unternehmen wächst und sich von einem Start-Ups zu einem Unternehmen mit solidem und dauerhaftem Wachstum entwickelt, kann es schädlich sein, wenn Kunden, Lieferanten und Konkurrenten genau über die Ertragslage des Unternehmens informiert sind, da sie daraus zusätzliche Profite schlagen könnten.

Grundsätzlich gibt es drei Kennzahlen, nach denen sich die Publizitätspflichten richten. Diese Sind Jahresumsatz, Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl.

Kleine GmbH

4 Tipps um eigene Zahlen zu verstecken:

  • 1. Genaue Wahl der Rechtsform:

Für eine GmbH zum Beispiel kann die Umwandlung in eine GmbH und Co. KG sinnvoll sein, bei der man eine natürliche Person als weiteren unbegrenzt haftenden Gesellschafter aufnimmt.

Es genügt, eine natürliche Person als weiteren unbegrenzt haftenden Gesellschafter aufzunehmen. Das kann ein Familienangehöriger sein oder eine fremde vertrauenswürdige Person. Um das Risiko für diesen sogenannten Vollhafter zu begrenzen, sollte er nur über ein geringes Privatvermögen verfügen. Praktisch ist diese Lösung einfach umzusetzen: Im Gesellschaftsvertrag wird einfach vereinbart, dass der neue Gesellschafter sich aus der Geschäftsführung heraushält und die Firma nach außen nicht vertreten darf.

Dadurch entfällt jede Publizitätspflicht. Das Handelsblatt bezeichnet diese Wahl der Unternehmensform als “Opa-Modell”. Weitere Informationen zum Opa-Modell, gibt es hier.

  • 2. Das Unternehmen “kleiner” erscheinen lassen:

Veröffentlichungspflichten richten sich nach der Betriebsgröße, diese ist abhängig von Bilanzsumme, Umsatz und Mitarbeiterzahl. Die Mitarbeiterzahl, lässt sich Outsourcing beispielsweise senken. Die Bilanzsumme beispielsweise lässt sich leicht verändern, wenn man Spielräume bei der Bewertung des Betriebsvermögens ausnutzt. Für kleinere Unternehmen kann es Sinn machen, Umsätze in das nächstes Geschäftsjahr zu drücken. Um den Gewinn zu drücken, können Firmenchefs bilanzielles Eigenkapital in verzinsliche Gesellschafterdarlehen umwandeln. Dabei muss man zwar darauf achten, dass es sich nicht um eine Verdeckte Gewinnausschütung handelt (Was war nochmal eine VGA?), die Spielräume sind jedoch vorhanden. Die Bilanzsummme kann variieren je nachdem zu welchem Anteil, Anlage- und Umlaufvermögen geleast sind. Je mehr geleast ist, desto kleiner ist die Bilanzsumme.

  • 3. Eine große Konzernstruktur schützt die Kinder..

Falls aus dem kleinen Start-up mal ein großer Konzern werden sollte, ist es nützlich vor Tochtergesellschaften in verschiedenen Produktsegmenten oder im In-oder Ausland eine Holding als Muttergesellschaft vorzuschalten. Die Tochtergesellschaften können von der Publizitätspflicht befreit sein, wenn die Muttergesellschaft einen Konzernabschluss aufstellt.

Das ganze kann man sich so wie bei einem Netz vorstellen. Umsätze und Gewinne der einzelnen Tochtergesellschaften fließen in den Jahresabschluss der Muttergesellschaft mit ein. Dadurch sind zwar die Kennzahlen der Muttergesellschaft ersichtlich, nicht jedoch die einzelnen Zahlen der Tochtergesellschaften.

  • 4. Aufräumen hat schon immer Spaß gemacht..

Um die Informationsdarlegung zu verringern, können Firmen neu sortiert werden. Dabei schaut man auf die Aktivseite der Bilanz und unterteilt beispielsweise..

in eine Betriebsgesellschaft, die für das operative Geschäft zuständig ist, eine Immobiliengesellschaft, die für das Immobilienvermögen zuständig ist

und eine Gesellschaft für immaterielle Vermögenswerte, die für Lizenzen zuständig ist.

So könnte beispielsweise die Lizenzgesellschaft von der Betriebsgesellschaft Lizenzgebühren für Marken erhalten. Warum das ganze? Damit der wesentliche Ertrag in einer Gesellschaft anfällt, die entweder gar nicht oder nur begrenzt publizitätspflichtig ist.

Das Thema welches ich hier recherchiert habe, ist natürlich komplex und Bedarf bei Praxisbezogener Anwendung, natürlich noch genauerer Informationen. Einen Steuerberater oder Anwalt hinzu zu ziehen kann nicht schädlich sein,

Mirko Thurm übernimmt für die hier präsentierten Informationen bei eigener Anwendung keine Haftung. Solltet ihr aber Erfahrungen haben oder selber Gesellschafts- und Steuerrechtliche-Schlupflöcher können, fühlt euch dazu eingeladen euer Wissen in einem Kommentar zu teilen…

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2 comments

  1. Hey Mirko,

    das nenne ich mal einen sehr interessanten und detailierten Post. Ich finde, dass Du die 4 Kernpunkte sehr gut zusammengefasst hast. Insgesamt stelle ich aber doch in Frage, ob sich aus den veröffentlichten Zahlen im Bundesanzeiger genaue Informationen für die von Dir genannten Gruppen ziehen lassen. Der Erfolgsfaktor eines jeden Starups wird sich wohl nicht entnehmen lassen.

  2. Hervorragender Post, vor allem die Übersicht über die einzelnen Rechtsformen! Die Tips zum Zahlen verstecken haben mir sehr viel spaß gemacht zu lesen, obwohl es nicht immer ganz einfach sein wird, sie realiesieren zu können. Ich denke da beispielsweise an die Senkung der Mitarbeiterzahl durch Outsourcing. In der Theorie oftmals möglich in der Praxis nur unter bestimmten Umständen rechnend.. Trotz alle dem alles in allem ein toller Post!

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