Vorstellung einer Stiftung

Durch Zufall bin ich auf einen interessanten Vortrag oder vielmehr ein Video der Stiftung „Denkwerk Zukunft“ gestoßen das einen Vortrag von Professor Gerald Hüther zeigt. Ich möchte euch hiermit einen kurzen Einblick in die Denkstrukturen dieser Stiftung geben und es würde mich wirklich interessieren, wie ihr über Gedankenansätze des Spannungsfelds Wachstum und Wohlstand, Veränderungen der Konsum, – und Lebensstile sowie den Wunsch nach Wachstum um jeden Preis, ohne Rücksicht auf  negative ökonomische, ökologische und soziale Veränderungen denkt?!

Dies ist der Vortrag (Video), das mein Interesse an diesem Thema geweckt hat:

Das Anliegen der Stiftung

Das versprechen von Glück in der westlichen Kultur ist ständig steigender materieller Wohlstand. Doch wird die Umsetzung und Einlösung immer schwieriger und dies aus verschieden Gründen. Das Denkwerk Zukunft gibt zu diesem Thema Denkanstöße und befasst sich mit der Frage „Doch was geschieht, wenn dieses Glücksversprechen nicht mehr erfüllt wird?“ und ist der Meinung „ Solange die Bevölkerungen der früh industrialisierten Länder darauf ausgerichtet bleiben, ihren materiellen Wohlstand zu mehren, wird dessen Rückgang zu heftigen Reaktionen führen – bis hin zur Infragestellung der freiheitlich-demokratischen Ordnung. Solchen Reaktionen gilt es vorzubeugen oder sie zumindest zu dämpfen. Deshalb sollten materielle Wohlstandseinbußen durch nicht-materielle Wohlstandsformen ausgeglichen werden.“ (vgl.http://www.denkwerkzukunft.de/index.php/anliegen )

Die Wirtschaft muss weiter wachsen, um das Glücksversprechen materieller Wohlstandsmehrung einzulösen. Mehr Wachstum ist deshalb für viele Politiker und Unternehmer der Schlüssel zu erfolgreicher Wirtschaftspolitik.

Und so wird über die Begriffe Wachstum und Wohlstand zurzeit in einem Spannungsfeld diskutiert. Auf der einen Seite gibt es Personen, die im Wirtschaftswachstum das Glücksversprechen unserer westlichen Kultur sehen und auf der anderen Seite gibt es von anderen Personen Warnungen auf die negativ Folgen der damit einhergehenden Lebens- und Konsumstile. Somit muss eine neue Definition von Wachstum und Wohlstand her, die neben wirtschaftlichen auch soziale und ökologische Kriterien in sich trägt, und für eine kulturelle Erneuerung plädiert.

„Das Denkwerk Zukunft hat hierzu Aussagen von Vertretern der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen und vielen anderen zusammengestellt. Die ausgewählten Zitate spiegeln nicht nur den aktuellen Diskussionsstand zu einem zentralen Zukunftsthema wider, sondern sind auch eine Fundgrube für Journalisten und andere, die an diesem Thema arbeiten.“ (vgl. http://www.denkwerkzukunft.de/index.php/inspiration/index/Zitate )

Hier möchte ich euch zwei von diesen Zitaten vorstellen:

Zitat Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Grenzen des Wachstums

“Ludwig Erhards Formel ‘Wohlstand für alle’ ist noch immer unübertroffen. […] Ein Land, das seinen Wohlstand sichern will, braucht Wachstum, aber nicht ein Wachstum als Selbstzweck, sondern ein Wachstum, um den Menschen zu dienen, genauso wie es die Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft gewollt haben.[…] Sie wollten kein Wachstum um jeden Preis. Sie wollten nachhaltiges Wachstum, ein Wachstum, bei dem man ökonomisch, ökologisch und sozial Rücksicht aufeinander nimmt, damit die Lebensgrundlagen künftiger Generationen nicht zerstört, sondern bewahrt und gesichert werden. Wachstum – auch das wusste Ludwig Erhard – lässt sich nicht per Gesetz verordnen. Dafür braucht es Menschen, die eine Idee haben, die etwas produzieren, die ihrerseits Menschen einen Arbeitsplatz geben, die wiederum ihrerseits Menschen auf der Welt finden, die die Produkte oder Leistungen, die dort produziert oder erstellt werden, kaufen wollen, haben wollen, die ein Interesse daran haben.”

(in ihrer Rede auf dem Bundesparteitag der CDU in Hannover am 4. Dezember 2012)

Margot Käßmann, Botschafterin des Rates der EKD

Grenzen des Wachstums/Bewusstseinswandel

“Wachstum ist zum ideologischen Begriff geworden. Im Namen des Wirtschaftswachstums scheint alles legitimierbar. Da wird in Kauf genommen, dass unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird, Umweltzerstörung wird ignoriert. Hauptsache Wachstum. […] Aber wachsen an sich ist noch kein Wert. Wie wollen wir wachsen? Was ist denn entscheidend im Leben. Gibt es nicht auch eine Ethik des Genug? […]
Wir können uns doch nicht einfach abfinden. Und noch immer gilt das afrikanische Sprichwort: “Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte gehen, können das Gesicht der Welt verändern.“ Es tut uns gut, eine “Ethik des Genug“ zu kennen. All das Rasen nach “Mehr“ macht ja nicht glücklicher.”

(in ihrer Predigt zum Buß- und Bettag am 21. November in Leipzig zum Auftakt des Aktionstags “anders wachsen”)

 

Zum Thema Wachstum um jeden Preis an dieser Stelle ein Video (Kongress: Jenseits des Wachstums?! Ökologische Gerechtigkeit. Soziale Rechte. Gutes Leben. TU Berlin, Mai 2011)
Der unmögliche Hamster

 

Thematisiert wird innerhalb der Stiftung und ihren Seiten:

:

 

 

Im Mittelpunkt der inhaltlichen Arbeit des Denkwerk Zukunft stehen „Denkkreise“. „ Sie konkretisieren den ganzheitlichen kulturellen Ansatz des Denkwerks Zukunft und zeigen insbesondere auf, wie größerer nicht-materieller Wohlstand ein reicheres Leben ermöglicht.   “Besser leben statt mehr haben” ist die Maxime.“ (vgl. http://www.denkwerkzukunft.de/index.php/aktivitaeten/index/denkkreise )

 

 

Folgende Fragen werden dort thematisiert:

  • Wie können durch die Entfaltung nicht-materieller Wohlstandsformen mögliche materielle Einbußen der Bevölkerung kompensiert werden?
  • Welche mentalen und politischen Voraussetzungen müssen hierfür erfüllt sein?
  • Welche gelungenen Beispiele kultureller Erneuerung gibt es bereits?
  • Wie kann der erforderliche Bewusstseinswandel der Bevölkerung erreicht werden?

 

Eine Plattform zur Unterstützung und Umsetzung von Inspirationen

Mehr und mehr wird sich in verschiedenen Initiativen  mit den negativen Folgen der Fokussierung auf Wirtschaftswachstum und materielle Wohlstandsmehrung befasst.
Dadurch sollen Anregungen gegeben werden, um bestehende Denkmuster zu überwinden. Die Stiftung gibt diesen Ideen eine Basis und versucht sie bekannt zu machen.

Die Plattform soll mit all ihren Karikaturen, Ideen, Versammlungen, Zitaten, Vorträgen zum Nachdenken und zum kritischen Hinterfragen der existierenden westlichen Kultur anregen. Ihr bestehen soll zur aktiven Beteiligung und Inspirationssuche anregen, um an der bevorstehenden  kulturellen Erneuerung mitzuwirken.

 

Gedanken und Fragen

Was haltet ihr von den aufgezeichneten Denkansätzen und Vernetzungen dieser Stiftung?
Meint ihr die Bevölkerung nimmt das Spannungsfeld Wachstum und Wohlstand und die Veränderungen der Konsum, – und Lebensstile wahr?

Ich finde diese Ansätze sehr interessant vor allem den Gedanken der Risiken materieller Wohlstandsmehrung und die existierenden Veränderung der Lebensstile.
Ein schleichender Prozess von kultureller Verarmung und gesellschaftlichem Zerfall.
Ich denke, es ist schon wichtig der Gesellschaft vor Augen zu führen, dass eine weitgehend auf materielle Wohlstandsmehrung fokussierte Kultur eine arme Kultur ist, die sich wenig  zukunftsfähig darstellt. Der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt und die gesellschaftliche Funktionsfähigkeit  über Arbeitsmarkt, soziale Sicherungssysteme, Gewährleistung der freiheitlich-demokratischen Ordnung, wird mehr und mehr leiden.

Erst am Ende dieses Beitrags bin ich auf die Website von Professor G. Hüther gegangen und bin auf seine neue Initiative “Kulturwandel in Unternehmen und Organisationen” gestoßen. Dieses Thema hätte natürlich etwas besser zu unserem Themenfeld gepasst, denn Ziel dieser Initiative ist es, „Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter zu inspirieren, einen Kulturwandel zu beginnen oder einen begonnenen Wandel noch bewusster zu gestalten.“
Vielleicht findet ihr  ja auf der oben beschriebenen Website noch Inspirationen für einen eurer folgenden Blogeinträge. Ich habe hiermit meinen letzten Blogeintrag verfasst und bin gespannt auf eure Reaktionen auf meinen letzten Beitrag!

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5 comments

  1. Ein sehr interessanter und ausführlicher Blog-Post!
    Wohlstand, Materialismus, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Wandel sind wichtige Themen und erreichen meiner Meinung nach, zum jetzigen Zeitpunkt, einen Stand, um den sich die Gesellschaft so intensiv kümmern muss, wie seit langen nicht mehr.

    Ich persönlich habe das Gefühl, dass durch das Aneignen von Wissen, der Wandel in seinem eigenen Denken und Handeln, sehr schnell geprägt und verändert werden kann. Aber wie sagt man so schön: “Eine Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied” – und wenn man dieses Sprichwort auf die Gesellschaft bezieht, dann ist klar, warum der Veränderungsprozess ein langsamer und stetiger ist, der teilweise auch mühselig voranschreiten kann.

    In vielen Leuten ist auf jeden Fall schon das Bewusstsein erwacht, dass Wachstum und Konsum nicht um jeden Preis geschehen kann.
    Wenn ich mich in unserer Generation umschaue, dann stelle ich fest, dass die Bewegung des Minimalismus ein erster Ansatz ist, der diesen Prozess ankurbelt.
    Es geht nicht mehr darum “nur reich” zu sein, die Leute wollen auch Qualität und Zeit für die schönen Dinge des Lebens haben.
    Timothy Ferriss untersucht in seinem Buch “Die 4-Stunden-Woche” solche Phänomene und animiert Firmen zu gründen, bei denen man nicht mehr 80 Stunden die Woche arbeitet und Dreck und Chaos (Umweltverschmutzung) verursacht, sondern durch eine intelligente Herangehensweise, Prozesse in Gang setzt, die letztendlich damit zu tun haben, dass Wirtschaftswachstum nicht mehr um jeden Preis geschieht.

    Der Prozess vollzieht sich also…braucht aber einige Zeit…ich denke wir können alle unseren kleinen Teil dazu beitragen..

  2. julesproject · · Reply

    Danke Mirco für diese ausführliche Beantwortung meiner Frage an euch und auch danke für diesen Buchvorschlag. Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch nicht gelesen habe. Klingt aber interessant und ich werde auf jeden Fall mal einen Blick reinwerfen.

    Ich finde den Gedankengang von dir “Eine Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied – und wenn man dieses Sprichwort auf die Gesellschaft bezieht, dann ist klar, warum der Veränderungsprozess ein langsamer und stetiger ist, der teilweise auch mühselig voranschreiten kann“, sehr interessant. So hatte ich das Ganze noch nicht betrachtet. Die „Kette und ihr schwächstes Glied“ zeigen genau auf, wie mühselig und schwer die gedanklichen und gesellschaftlichen Veränderungen sein werden. Es ist ein Prozess der langsam voranschreiten wird, genau so langsam und schleichend, wie er sich entwickelt und etabliert hat. Nur haben unsere Gesellschaft und die Natur nicht mehr ganz so viel zeitlichen Spielraum.

    An dieser Stelle würde ich gerne noch ein Zitat von Professor Dr. Elmar Altvater ( ein deutscher Politikwissenschaftler, Autor und emeritierter Professor für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin sowie Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac). einfließen lassen, dass die Situation auf den Punkt bringt .

    „Ist das eine “de-growth-economy”, wird die Welt vernünftig? Leider nicht, es ist das Elend einer Wirtschaftspolitik, die zwar Wachstum anstrebt, aber die harten Wachstumsgrenzen der kapitalistischen Produktionsweise und der Natur nicht ernst nimmt. Die Ressourcen sind begrenzt, wie bereits der Club of Rome 1972 mahnte. Der Höhepunkt der Verfügbarkeit des wichtigsten Treibers der industriellen Zivilisation, des Öls ist erreicht. Die Tragfähigkeit der Schadstoffsenken ist nicht auszuweiten. Der “ökologische Fußabdruck” der heute lebenden Generation, der verschwenderischsten der gesamten Menschheitsgeschichte, ist zu groß.“

    „Nicht eine Schuldenbremse, eine Bremse des Naturverbrauchs muss her. Und eine Regulation der kapitalistischen Widersprüche. So können wir eine nachhaltige Entwicklung einleiten.“

    Die Jule

  3. Hey Julia,

    ich bin auch der Meinung, dass dir da ein sehr interessanter Post gelungen ist. Wenn gleich ich finde, dass ein wenig Populismus mit schwingt in der Aussage, dass Glück in Abhängigkeit zum wirtschaftlichen Wachstum steht, zumindest in westlichen Kulturen. Zumindest habe ich so die Aussage von DenkwerkZukunft interpretiert. Die Diskussion darum, ob stetiges Wachstum der Heilsbringer ist, kann ich nachvollziehen. Aber dass die Individuen ihr Glück davon abhängig machen, stelle ich in Frage.

  4. Ein klasse Post! Ich fand Schreibstil und Aufbau sehr gelungen.
    Vor allem das Gegenüberstellen von Pros und Kontras verlieh dem Ganzen eine sehr objektive und und spannende Wirkung.

  5. Dein Post find ich wirkliche sehr informativ! Ich denke, du hast viele gesellschaftliche Fragen in unserer jetzigen Zeit auf eine interresant Art und Weise dargestellt. 🙂

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